Hallo,
Es gibt Neuigkeiten zu meinem 165er. Ich habe mich Ende letzten Jahres entschieden den Motor doch komplett zu überholen. Ausschlaggebender Punkt war dass der Motor Anfang November bei -2°C und einem Monat draussen stehen trotz eigentlich guter Batterie nicht zum anspringen zu bewegen war, gerade an dem Tag als der Traktor gebraucht wurde um unsere Ziegenherde für den Winter nachhause zu holen. Das war echt ärgerlich, erst nachdem ich den 220V Booster vom Nachbarn angeschlossen hatte sprang der Motor nach längerem Vorglühen an. Ende November habe ich ihn dann ausgebaut und zerlegt. Erstaunlicherweise waren noch alle Kolbenringe intakt, auch der Absatz oben in den Zylindern vom Einlaufen der Ringe hielt sich in Grenzen. Die oberen Ringnuten waren jedoch an allen 4 Kolben sehr ausgeschlagen, über 0,5 mm Spiel. Der Zylinderkopf muss wohl schon mal runter gewesen sein um die Ventilsitze nachzufräsen, denn sämtliche Ventile lagen zu tief (~ 2 mm). Es ist also nicht verwunderlich dass die Kompression eher mager war und er bei -2°C nicht anspringen wollte. Nachdem der Motorblock entkernt und gewaschen war ging er zum Motorinstandsetzer meines Vertrauens, wo die Laufbuchsen getauscht und die neuen (semi-finished) auf Maß gebohrt und gehont wurden. Fertige Buchsen wollte ich nicht da laut Erfahrung mehrerer Landmaschinenmechaniker und meines Onkels (der 25 Jahre lang beim Motoreninstandsetzer war) die Bohrungen in den Blöcken meist nicht mehr zu 100% rund sind und man dann bei fertigen Buchsen schon einen Fehler drin hat bevor es los geht. Die Kurbelwelle habe ich vermessen, da war noch alles innerhalb der Toleranzen. Sie wurde deshalb nur gereinigt, poliert und mit neuen Lagerschalen (original von Perkins) wieder eingebaut, wobei die hintere Schnurdichtung natürlich erneuert wurde. Beim Winkeln der Pleuel ist aufgefallen dass der erste Zylinder wohl mal einen Wasserschlag gehabt haben muss. Das Pleuel ist in zwei Richtungen krumm und 0,47 mm kürzer als die anderen drei. Also musste Ersatz besorgt werden, und schließlich konnte ich über Ebay ein intaktes Pleuel aus einem A4.248 (aus einem MF 590) erwerben. Es gibt bei Bepco zwar auch neue Pleuel für etwas über 30 €, aber sowas will ich nicht in meinem Motor haben, nicht an so einer wichtigen Stelle. Nach Erhalt wurde das "neue" Pleuel gewogen um festzustellen ob die Gewichtstoleranz zu den anderen drei eingehalten wird, alles in Ordnung. Daraufhin noch schnell zum Winkeln gegeben und am selben Tag zurückbekommen und eingebaut. Von der Montage der Kolben habe ich leider vergessen Fotos zu machen. Die Kupplung wurde zerlegt, gereinigt und neu geschmiert wieder zusammengebaut. Nachdem Schwungrad und Kupplung wieder montiert waren wurde der Motor ans Getriebe angeflanscht, so gingen die folgenden Arbeiten leichter, mein Motormontageständer würde die Segel streichen wenn ich den A4.212 dranhängen würde. Der 23c aus meinem 35er war da damals schon grenzwertig. Am Getriebeeingang wurden alle Wellendichtringe und O-Ringe bzw. Papierdichtungen getauscht, sowie die Buchsen von Kupplungs- und Bremswelle erneuert (vielen Dank übrigens für die überragende Resonanz zu meinem Beitrag diesbezüglich

). Anschließend ging der Zylinderkopf zum Instandsetzer. Hier waren neue Ventilsitze fällig um wieder mit dem Ventilrückstand in die Toleranz zu kommen. Natürlich wurden auch alle Ventile und Ventilführungen durch Neuteile von Perkins ersetzt. Der Preisunterschied zu den Nachbauteilen aus Fernost war hier nicht sehr hoch sodass es mir das Risiko dass nachher so ein Nachbauventil abreisst und mir den Zylinderkopf ruiniert nicht wert war. Der Zylinderkopf wurde mit einer neuen Dichtung und neuen Muttern montiert. Beim Zusammenbau desselben ist mir allerdings ein Fehler unterlaufen der mir erst aufgefallen ist als ich Abends vor dem Fernseher nochmal durch das Perkins Werkstatthandbuch geblättert habe. Die Ventilfedern haben sogenannte "damper coils", also stoßdämpfende Windungen welche man dadurch erkennt dass die Windungen an einem Ende der Feder näher zusammenliegen als am anderen Ende. Die damper coils müssen zum Zylinderkopf zeigen, was ich beim Zusammenbau nicht beachtet hatte. Also mussten die verdrehten Federn bei eingebautem Zylinderkopf nochmal raus und richtig gedreht werden was aber nicht sonderlich aufwändig ist. Ob das letztendlich wirklich einen Unterschied macht kann ich nicht sagen, aber wenn es so im Buch steht wird es auch so gemacht, Aufwand hin oder her. Momentan warte ich noch auf Teile für die Einspritzpumpe, die bekommt einen neuen Verteilerkopf und einen neuen Nockenring. Beide Teile konnte ich noch original von CAV auftreiben. Eine neue Endplatte habe ich ebenfalls, allerdings als Nachbau, kein original CAV-Teil. Ich bin mir deshalb noch unsicher ob ich die einbauen soll. Sie hat einen Einsatz aus Stahlblech an dem nachher der Rotor der Transferpumpe anläuft, dieses Blech sieht jedoch irgendwie billig aus und ich bezweifele dass es hart genug bzw. überhaupt gehärtet ist. Auf der Rückseite kann ich jedenfalls recht leicht mit der Reißnadel Kratzer reinbringen, bei dem originalen Einsatz geht das nicht. Wenn die Einspritzpumpe fertig und eingebaut ist kommt der Steuergehäusedeckel wieder drauf. Danach müssen noch die Wasserpumpe und ein paar Kleinigkeiten gemacht werden, dann ist der Motor im Großen und Ganzen fertig und es kann an die weitere Restaurierung des 165ers gehen. Ich denke dass der Motor jetzt auch im Winter keine Probleme mehr bereiten wird, denn der Kolbenüberstand ist jetzt nahe an der oberen Toleranz, der Ventilrückstand auf Minimalmaß, neue Kolben die das korrekte Laufspiel haben, also eigentlich alle Voraussetzungen für bestmögliche Kompression erfüllt. Das ganze hat zwar eine Stange Geld gekostet, das ist es mir aber wert. Im Anschluss nun die Bilderreihe zu den ausgeführten Arbeiten: