So, Ihr Lieben, der FE35 wurde weiter zusammengesetzt. Und weiter ging auch der Frust mit mangelhaften Ersatzteilen. Ich bestellte die beiden Schrauben, die den Kühlergrill fixieren. Auf der einen Seite ging die Schraube gut rein. Auf der anderen Seite ging die Schraube auch rein, ich brauchte aber etwas mehr Kraft. Und obwohl ich eigentlich einen zu kleinen Schrauberzieher nutzte, der gerade in Reichweite lag, sah die Schraube nach dem Anziehen so aus:
Dann fiel mir auf, dass meinem lieber Vater beim Anschweißen der neuen Anschweißaugen an den Unterlenkern ein kleiner Fehler unterlaufen war. Er hat offenbar zwei verschiedene Unterlenker genommen und so kam es auch zu unterschiedlichen Längen. Ich musste, um die Gleichmäßigkeit wieder herzustellen, aus dem längeren Unterlenker gut 2cm herausschneiden und den Unterlenker wieder zusammenschweißen.
Hinten am Schlepper klaffte bei mir noch ein Loch, da ich den Halter für den Oberlenker noch nicht eingebaut hatte. Der Halter war lackiert und trocken, also rein damit. Doch dann passierte mir etwas beim Zusammenbauen: der "Tauchkolben" ging gegen Ende etwas schwer reinzudrehen. Da noch ca. 10mm Spiel anlagen, setzte ich eine Zange an den großen Schraubenzieher und dann machte es KNACK und der Tauchkolben war gebrochen. Auf dem Bild kann man den Bruch sehen.
Ich bestellte einen neuen Tauchkolben und entnahm den Halter für den Oberlenker dem Ersatzteilträger. Darum ist dieses Teil bei mir nun auch nicht lackiert.
Und wie ich so da oben an der Halterung des Oberlenkers rumschraube, erschrak ich erneut: auf der rechten Seite des Hydraulikdeckels, oben am rechten Hubarm, dachte ich einen Riss ausgemacht zu haben:
Auf der linken Seite sah es so viel glatter aus, dass ich glaubte, ich hätte rechts einen Riss. Ich stellte jedoch fest, dass es bei dem Ersatzteilträger genauso aussah. Außerdem bekam ich ein Bild zu sehen, bei dem ebenfalls ein "Riss" zu sehen war. Anscheinend haben alle 35er hier einen "Riss". Wie sieht es bei Euch aus?
Dann habe ich die zwar gesandstrahlten aber inzwischen wieder rostenden Felgen der Räder nochmals abgeschliffen und in Schlepperfarbe lackiert. Das Abkleben der Reifen mit Tesa-Krepp war etwas optimistisch dünn ausgelegt, ging aber. Etwaige Farbanhaftungen an den Reifen hatte ich später mit Verdünnung wieder entfernt.
Dann habe ich noch mit der alten Drehbank einen Bolzen neu gedreht, stand hinter dem Ferguson und erschrak abermals, denn ich stellte nun fast konsterniert fest, dass mein Ferguson fertig ist...... Die Puppe, die mich vor ziemlich genau einem Jahr dazu veranlasste, hier nach Hilfe zu rufen und diesen Thread zu starten, war zu einem Schmetterling geworden.
Oh Gott, oh Gott, was würde nun kommen? Sollten die inzwischen liebgewonnenen Arbeits-Stunden in der kleinen Garage nun etwa schon vorbei sein? Das hieße ja, ich müsse nun zum TÜV. Ich vereinbarte also einen Termin. Doch vorher wollte ich das Herausfahren aus der Garage aus eigener Kraft zelebrieren. Ich zog den Blaumann aus und zog mir vorzeigefähige Klamotten an. Dann ging ich zur Garage, öffnete das Tor, nahm ein Foto von meinem verstorbenen Vater (der das Projekt ja begonnen hatte) auf den Schoß, startete und ließ den Ferguson das erste Mal nach X Jahren (abgemeldet wurde er am 28.08.1971) wieder aus eigener Kraft rollen. Alles funktionierte! Nur der Start brauchte bei 2°C vier Anläufe. Aber dafür ist der Schlepper ja bekannt. Also alles original
Editiert, da ich gerade ein altes Bild gefunden habe, welches den Fundzustand dokumentiert:
Der TÜV-Termin kam und wurde ohne Mängel absolviert.
Zwei Tage später, am 23.12.2020 hatte ich den Schlepper zugelassen. So hatte ich mir dann selbst ein schönes Weihnachtsgeschenk gemacht und dem Jahr 2020 doch noch zumindest eine positive Eigenschaft abgerungen.
Seht Euch bitte die Zulassung mal genau an. Steht bei Eurem FE35 auch "Massey-Ferguson" als Hersteller? Hierüber war ich erstaunt, fusionierten die beiden doch erst im Jahre 1958.
Und dann etwas Kurioses: seht Euch mal meine eingetragenen Reifengrößen an (Punkt 15.1 & 15.2). Laut Fahrzeigschein muss ich hinten genau so kleine Räder aufziehen wie vorne... Ich meine, sieht sicher lustig aus, aber ich hätte doch gern etwas größere Reifen hinten ;-)
Tja, Ihr Lieben, damit muss ich wohl mein Ferguson-Projekt schließen. Vor einem Jahr stand ich mit der In-Angriff-Nahme der Restauration vor einem scheinbar unüberwindlichen Berg. Ich erinnere mich, dass ich keine Ahnung hatte, womit ich anfangen sollte. Doch mit Eurer Hilfe wurde dann doch etwas draus! Dafür möchte ich Euch sehr danken!!!
Der Ferguson soll nun hin und wieder auch gebraucht werden. Gras mähen mit einem Mähbalken, den ich mir noch besorgen will. Und im Wald soll er helfen indem er Spalter und Säge antreibt. Ich kann‘s kaum erwarten, ihn wieder aus der Garage zu holen!
P.s.:
Eine kleine Sache muss ich noch erledigen. Nachdem der Schlepper zugelassen war, machte ich mich auf eine 6km lange Probefahrt. Am Ende bemerkte mein Bruder an der Wasserpumpe unten dran, nassen Dreck, der offensichtlich vom Keilriemen an die Wasserpumpe geschleudert wurde. Wir identifizierten diesen Schmodder als Diesel-Gummi-Gemisch vom Keilriemen. Etwas ängstlich suchten wir nach der Ursache hierfür und stellten fest, dass der alte, originale Tankverschluss den vollgetankten Tank nicht abdichtete und so Diesel aus dem Tank nach vorn schwappte und so auf den Keilriemen gelangte. Bremsenreiniger und ein neuer Tankverschluss wird das Problem aber wohl abstellen.
Übrigens war ich über die Geschwindigkeit erstaunt und hatte per GPS 28km/h gemessen! Ist das normal? Wie sieht es bei Euch aus?
Vielen Dank nochmal, Leute!
