Moin,
OK, wieder die klassische Öldiskussion.
Auf Thumis Scan kann man die alten Ölviskositäten erkennen. Das sind allesamt Einbereichsöle, die eigentlich kaum noch Verwendung finden. Wer wechselt denn schließlich im Herbst das Öl, um eines mit niedrigerer Viskosität einzufüllen? Niemand.
Allein schon aus diesem Grund empfiehlt sich das normale 15W40-Mehrbereichs- (=Ganzjahres-)Öl.
Dass ein normales, mineralisches Standard-15W40-Öl die in unseren Schleppern verbauten Buntmetalle angreift, stimmt nicht. Dann wären alle alten Motoren schon längst kaputt. Diese Eigenschaft wird nur speziell legierten Hypoid-Getriebeölen (GL5 z.B.) nachgesagt. Aber auch hier habe ich noch niemanden getroffen, der eindeutig belegen kann, sein Differential oder Getriebe ist wegen GL5-Öls kaputtgegangen.
Thumi hat insofern recht, als dass die heute üblichen Öle legiert sind (HD-Öle), um Schmutz und Abrieb in der Schwebe zu halten. Wenn man einen Motor hat, der von innen pechschwarz ist und voller dicker Ölkrusten, wird das "moderne" Öl diese Ablagerungen natürlich lösen und durch den Motor transportieren, bis sie sich im Einweg-Ölfilter absetzen.
Das Getriebe unserer TEs hat keinen Ölfilter, richtig. Das sehe ich jedoch nicht als Problem an, da in das Getriebe weitaus weniger Schmutz eingetragen wird als in den Motor (Verbrennungsrückstände).
Es ist weiterhin davon auszugehen, dass unsere Oldtimer schon seit langer Zeit mit diesen legierten HD-Ölen gefahren wurden. Die Vorbesitzer unserer Schätzchen haben sich nicht wirklich darum geschert und immer nur das billigste Öl reingekippt, was greifbar war. Und das ist nun mal seit weit mehr als 30 Jahren das normale 15W40-Mehrbereichsöl, welches oben genannte Schmutzlöseeigenschaften besitzt. Der ganz grobe Dreck sollte also schon lange "draußen" sein. Alle Motoren, die ich in den letzten Jahren zerlegt und neu aufgebaut habe, waren weitgehend sauber von innen. Vermutlich, weil sie schon seit Jahrzehnten mit HD-Ölen gefahren wurden.
Demjenigen, der beim nächsten Ölwechsel verunsichert ist, empfehle ich (Thumi hat es schon erwähnt), vor dem Einfüllen des neuen Öls die Ölwanne und/oder das Getriebe kurz einmal mit Diesel auszuspülen und dadurch eventuellen Bodensatz zu entfernen.
Wer dann noch nicht ruhig schlafen kann, macht halt einfach häufiger einen Ölwechsel. Ein Liter 15W40 wird häufig schon für unter 2€/ Liter angeboten. Das billigste Baumarkt-Öl genügt für unsere Oldtimer vollkommen.
Zusammengefasst: Wer gern unlegiertes Einbereichsöl in Motor und Getriebe fahren möchte, kann das gerne tun. Wenn Motor und Getriebe jedoch einigermaßen gründlich gereinigt wurden, gibt es keinen Grund, auf ein modernes und günstiges mineralisches 15W40 zu verzichten.
Gruß, Hendrik